„Nie wieder still“ – unter diesem Motto schrieb Herzogenaurach am 27. September 2025 Geschichte. Mit dem ersten Christopher Street Day (CSD) der Stadt setzte die queere Community gemeinsam mit zahlreichen Unterstützer*innen ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und Zusammenhalt. Was im Vorfeld als mutiges neues Projekt begann, wurde am Ende zu einem Tag, der alle Erwartungen übertraf: Mehr als 600 Menschen kamen nach Herzogenaurach, um gemeinsam für queere Sichtbarkeit auf die Straße zu gehen – deutlich mehr als ursprünglich erwartet.

Für viele war dieser Tag weit mehr als nur eine Demonstration. Der erste CSD Herzogenaurach wurde zu einem historischen Moment für die Stadt – zu einem Zeichen dafür, dass queere Menschen auch in kleineren Städten sichtbar sind, Gemeinschaft schaffen und ihren Platz selbstverständlich einfordern.

Vom Marktplatz zum Skatepark – weil der Platz nicht mehr ausreichte

Ursprünglich war die Auftaktveranstaltung des ersten CSD auf dem Marktplatz geplant. Doch bereits in den Tagen vor der Veranstaltung wurde deutlich: Das Interesse war deutlich größer als zunächst angenommen. Aufgrund der hohen Zahl an erwarteten Teilnehmenden entschied sich das Organisationsteam von Pride Herzo e.V., den Veranstaltungsort kurzfristig zu verlegen.

Die Wahl fiel auf den Skatepark an den Aurachwiesen – ein Ort mit deutlich mehr Platz für die vielen Menschen, die gemeinsam ein Zeichen setzen wollten. Rückblickend erwies sich diese Entscheidung als goldrichtig: Der ursprüngliche Veranstaltungsort wäre der großen Resonanz schlicht nicht gewachsen gewesen.

Schon am Vormittag begann dort der Aufbau. Ehrenamtliche Helferinnen errichteten Bühnen, bereiteten Technik und Lautsprecher vor, hängten Banner auf und koordinierten die letzten organisatorischen Schritte. Insgesamt sorgten zahlreiche Ordnerinnen sowie ein eigenes Awareness-Team dafür, dass sich alle Besucher*innen sicher und willkommen fühlen konnten.

Ein Auftakt voller Emotionen

Unter dem Motto „Pride Herzo – Nie wieder still“ versammelten sich am frühen Nachmittag queere Menschen, Familien, Freundinnen, Unterstützerinnen sowie zahlreiche politische, kirchliche und gesellschaftliche Initiativen am Skatepark.

Bereits zu Beginn war spürbar: Dieser Tag würde etwas Besonderes werden. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlich warmen Temperaturen herrschte vom ersten Moment an eine ausgelassene, friedliche und emotionale Stimmung. Überall waren Pride-Flaggen zu sehen, Menschen kamen ins Gespräch, machten Fotos und tauschten sich aus.

Die Auftaktkundgebung wurde von verschiedenen Redebeiträgen begleitet. Vertreter*innen aus Politik, Gewerkschaften, Kirchen, demokratischen Initiativen und der queeren Community machten deutlich, warum queere Sichtbarkeit gerade auch außerhalb großer Städte wichtig ist. Denn queere Menschen leben überall – auch in kleineren Kommunen wie Herzogenaurach – und verdienen Schutz, Akzeptanz und Räume, in denen sie sichtbar sein können.

Musikalische Beiträge sowie künstlerische Elemente sorgten zusätzlich für eine lebendige Atmosphäre und machten den Auftakt zu einem emotionalen Gemeinschaftserlebnis.

Besonders bemerkenswert war: Der gesamte Tag verlief friedlich und ohne Gegenproteste. Statt Konflikten prägten Offenheit, Solidarität und gegenseitiger Respekt das Bild – ein starkes Zeichen für ein vielfältiges und demokratisches Herzogenaurach.

Über 600 Menschen auf den Straßen von Herzogenaurach

Am Nachmittag setzte sich schließlich der Demonstrationszug vom Skatepark an den Aurachwiesen aus in Bewegung und zog durch die Innenstadt Herzogenaurachs.

Die Route führte durch zentrale Bereiche der Stadt und machte queere Sichtbarkeit erstmals im öffentlichen Raum Herzogenaurachs unübersehbar. Mit Fahnen, Bannern, kreativen Schildern, Musik und viel guter Stimmung verwandelten die Teilnehmenden die Straßen für einige Stunden in einen Ort gelebter Vielfalt.

Die Resonanz entlang der Strecke war überwiegend positiv. Viele Menschen blieben stehen, schauten zu, winkten, applaudierten oder informierten sich spontan über die Hintergründe des Demonstrationszugs.

Dass gut 600 Menschen am ersten CSD Herzogenaurach teilnahmen, übertraf sämtliche Erwartungen. Ursprünglich war mit deutlich weniger Besucher*innen gerechnet worden. Umso bewegender war es für viele Beteiligte zu sehen, wie groß die Unterstützung und das Bedürfnis nach queerer Sichtbarkeit in Herzogenaurach und der gesamten Region tatsächlich sind.

Für viele stand spätestens in diesem Moment fest: Der erste CSD Herzogenaurach war nicht nur eine Veranstaltung – er war ein Meilenstein.

Straßenfest voller Begegnung, Austausch und Gemeinschaft

Nach der Demonstration ging der Tag in ein buntes Straßenfest in der Fußgängerzone über. Zahlreiche Vereine, Initiativen, politische Gruppen und Organisationen präsentierten sich mit Infoständen und kamen mit Besucher*innen ins Gespräch.

Mit dabei waren unter anderem queere Initiativen, demokratische Bündnisse, kirchliche Gruppen, Jugendangebote sowie lokale Vereine und Organisationen. Die Vielfalt der beteiligten Akteur*innen zeigte eindrucksvoll, wie breit die Unterstützung für den ersten CSD in Herzogenaurach war.

Neben Gesprächen und Informationsangeboten wurde auch für das leibliche Wohl gesorgt. Viele Ehrenamtliche hatten Kuchen gebacken – von Muffins und Brownies bis hin zu veganem Karottenkuchen und Zwetschgenkuchen. Ergänzt wurde das Angebot durch Wraps, Zuckerwatte sowie Getränke und Snacks auf Spendenbasis.

Auch musikalisch blieb der Tag lebendig: Live-Musik und weitere Programmpunkte sorgten bis in den Nachmittag hinein für eine offene und fröhliche Atmosphäre.

Ein historischer Tag für Herzogenaurach

Der erste CSD in Herzogenaurach war in vielerlei Hinsicht historisch: Zum ersten Mal gingen queere Menschen und Unterstützer*innen gemeinsam sichtbar durch die Stadt. Zum ersten Mal entstand ein öffentlicher Raum, in dem Vielfalt selbstverständlich sichtbar sein durfte.

Was lange Zeit undenkbar schien, wurde am 27. September 2025 Realität: Herzogenaurach zeigte sich bunt, offen und solidarisch.

Dieser Tag wäre ohne den Einsatz unzähliger Menschen nicht möglich gewesen. Unser besonderer Dank gilt allen Helferinnen, Ordnerinnen, Künstlerinnen, Rednerinnen, Unterstützerinnen, Organisationen, Kooperationspartnerinnen – und natürlich jeder einzelnen Person, die dabei war und diesen Tag zu etwas ganz Besonderem gemacht hat.

Nach diesem überwältigenden Erfolg war schnell klar: Das war erst der Anfang. Die Planungen für den nächsten CSD laufen bereits – der zweite CSD Herzogenaurach findet am 26. September 2026 statt.

Herzogenaurach bleibt bunt. Herzogenaurach bleibt sichtbar. Und Herzogenaurach bleibt: nie wieder still. 🏳️‍🌈

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